Running | 09-2016

Die Sache mit der Propriozeption

Running_2016

Die Sache mit der Propriozeption

Dass Koordination für Athleten wichtig ist, auch und gerade im Laufsport, haben die meisten schon einmal gehört. Trotzdem beschränken sich viele darauf, möglichst zahlreiche Trainingskilometer zu absolvieren. Dabei gibt es interessante und höchst wirksame Methoden neben der Strecke, die eigene Körperbeherrschung zu verbessern und damit effizient an der eigenen Leistung zu arbeiten.

Menschen, die den Ausnahmeläufer Emil Zatopek laufen sahen, verglichen ihn gern mit einem mythischen Helden, der gerade mit einer vielarmigen Hydra kämpfte. Doch Zatopek war bekanntlich eine Kategorie für sich. Nur wirklichen Könnern gelingt es, während eines Marathons ein Ungeheuer zu besiegen. Für die meisten Sportler sind die Verbesserung der eigenen Körperbeherrschung und eine gewisse Stabilität im Oberkörper essenziell.

Sportliche Bewegung ist immer ein komplexer Vorgang, der den gesamten Körper betrifft. Auch wenn scheinbar die Laufeinheit in erster Linie mit den Beinen bestritten wird, sind in Wahrheit alle Körperteile beteiligt, ja sogar jede einzelne Faser. Um diese komplexe Performance zu liefern, muss der Körper seine Einzelteile aufeinander abstimmen.

Eine gute Koordination zeichnet sich dabei durch die Fähigkeit des Athleten aus, einzelne Körperteile gezielt anzusprechen und deren Bewegungen präzise zu steuern. So weist Physiotherapeut Oliver Schmidtlein, der unter anderem für die deutsche Nationalelf arbeitete, darauf hin, dass Koordination eigentlich nichts anderes ist als entkoppelte Bewegung. Indem der Aktive die Aktivität eines Körperteils gezielt und selektiv beherrscht, kann er seinen Körper bewusst steuern und somit effizient einsetzen. Unbewusst gekoppelte Bewegungen hingegen kosten in der Regel Energie, weil häufig Fehler an anderer Stelle mit unnötigem Energieaufwand kompensiert werden, und bergen nicht selten zusätzliche Verletzungsgefahr.

Einfache Methoden des Koordinationstrainings sind - zumindest theoretisch - jedem bekannt: Das LAuf-ABC mit Übungen wie Skippings, Anfersen oder Kniehebelauf wirkt bereits in diese Richtung. Ein anderer Ansatz sind Gleichgewichtsübungen. Mit der neuen MFT Challenge Disc 2.0 werden diese jetzt auf einem neuen Level durchgeführt, wie es früher nur in Zusammenarbeit mit einem Trainer möglich war. Mittels einer App auf einem mobilen Gerät wie Tablet oder Smartphone, die mit der sensorbewehrten Scheibe kommuniziert, kann sich der Aktive nun gezeilt aus der Balance und wieder zurück ins Gleichgewicht bringen. Spielerisch wird somit das gezielte Steuern des eigenen Körpers gefördert. Läufer können durch bessere Koordination schneller werden - bei gleichen Stoffwechselbedingungen.

Propriozeption

Der Betriff (lat. proprius = eigen, recipere = wahrnehmen) meint die Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers, insbesondere die Tiefensensibilität. Nur ein geringer Teil davon findet bewusst statt. Wie man heute weiß, besitzen nicht nur Muskeln und Organe Nervenzellen, sondern selbst das Bindegewebe, die Faszien. Auf den Seiten 108-109 in diesem Magazin ist ebenfalls die Rede davon. Eine gut ausgebildete Propriozeption verbessert die Leistung in praktisch jeder Sportart.




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